Ich kann es nicht erklären. Aber ich höre es. Das Digitalpiano glänzt, der Klavierlack ist schwarz, er ist echt. Die beiden gesampelten Flügel nicht. Konzertflügel sind es. »Aus den großen Häusern dieser Welt.« Ich habe all die Videos vorher gesehen, war beeindruckt, wollte es verstehen. Jetzt steht sie vor mir, teuerste Ausbaustufe des Herstellers. Berühmte japanische Handwerkskunst. Und ich versuche, die Unterschiede zu fühlen. Mit meinem Geklimper. Sie hat das niemals ernst genommen, versteht aber, dass es mir die Wartezeit verkürzt. »Willst du uns was vorspielen, wenn wir oben im Schlafzimmer sind? Oder soll es da einfach nur stehen? Als Zeichen deiner Würde, wenn du mit deinem Notenheftchen aus der Musikschule kommst und er aus der Dusche? Wie auch immer. Süße Idee. Ich gönne es dir.« Harmonien, Dissonanzen, Klangfarben des Glücks, des Leids und der Verzweiflung. Ich habe es mir anders vorgestellt. Wie so oft. Das Klavier steht für: Ich kann es nicht, würde es so gerne können, aber kann es einfach nicht. Verstehe, wie es funktioniert, aber mir fehlt was. Und Sie spielt genüsslich auf dieser edlen Tastatur. Die vor mir ist lineaer gewichtet, hat 88 Tasten, Gegengewichte hat sie sogar auch. Simulation der besonders hochwertigen Art. Jeder einzelne Ton schreit »Loser«. Das ist es, was ich höre. Das ist es, was sie zelebriert. Sie wird »Spiel uns doch mal was vor» sagen, während sie das verzehren, was ich für sie zubereitet habe. Bei Kerzenlicht. Er wird »Good Boy« sagen, zu mir kommen, mir über den Kopf streichen, seinen edlen Schuh auf meinen Oberschenkel stellen, mir bedeuten, ihn jetzt auszuziehen. Ein kaum wahrnehmbares Geräusch, das man hört, wenn ich ihn dann mit einem Fußkuss darum bitten muss, dass es geschieht, wortlos, ohne Gesang; das ist wahre Musik in ihren Ohren. »Spiel ein bisschen, nimm dir die Kopfhörer.« Ich werde es klarer hören als jeden Akkord, der mir nicht gelingen mag, bevor sie zusammen die Treppe hinauf verschwinden. Und die gnadenlose Jägerin wird irgendwann dafür sorgen, dass es ein Pianist ist, den sie mit nach Hause bringt. Ihm werde ich zusehen und zuhören müssen, bei allem, was er kann. Ich kann jeden Ton ihrer Lust unterscheiden. Ich erkenne ihre Lover mit verbundenen Augen. Aber den feinen Konzerthallenton, den erkenne ich einfach nicht.
Autor: gilbertbach
Maries Magic
»Wie hat es dir gefallen, Baby Boy?« Mein ironisches Ich möchte lachen. Ich bin gefesselt, mit Gag im Mund und Cage, könnte nur antworten, wie man einem plaudernden Zahnarzt bei der Behandlung antwortet. Aber ich verstehe sofort: Ein Lachen, das ich nicht loswerde, als Impuls der innerlichen Befreiung. Das Hirn versucht, zu siegen. Die Oberhand zu gewinnen. In aussichtsloser Lage die Persönlichkeit nicht aufgeben, das ist es, was es mir tröstlich vermittelt. Wie könnte ich auf Maries Frage überhaupt reagieren, auch ohne Silikonball im Mund? Sie ist rhetorisch. Es ist unmöglich, dem Geschehenen plaudernd zu begegnen. Sie weiß das. Aber es ist ihr Zeichen, dass ich nicht außen vor bin, die Re-Integration, die fürsorgliche Vereinnahmung des Sklaven, dessen wilder Ritt noch kein Ende finden muss; er soll nur verstehen, dass er die ganze Zeit immer mit-gemeint ist, bei jeder Aktion, jedem Akt, bei allem, das ihn scheinbar außen vor lässt.
Claire und Marie sind wild. Jede für sich ein Vulkan der sinnlichen Lust, zusammen eine ganze Welt aus hedonistischer Ermöglichung. Marie spielt damit, dass ich sie gut finde. Claire weiß das. Wie jede Frau alles weiß, was sich aus unseren schwachen Blicken erzählen lässt. Auch ohne dass wir etwas sagen. Sie widmet ihre Eifersucht um. Jedes Mal, wenn wir zu dritt unterwegs sind, bin ich am Ende der Nacht ein Cuckold. Es ist anders als sonst. Weniger getrieben durch eigene Lust am Spiel. Auch ich kann sie sehr gut lesen. Ohne dass sie spricht. Sie positioniert sich. Und mich. Damit auch Marie.
Marie zelebriet ihre Rolle. Beste Freundin. Begehrte, wunderschöne Frau. Mein Typ, ihre Verbündete. Es hat naturgemäß gedauert, bis ich kapiert habe, dass ich auch ihrer bin; dennoch verbündet sie sich nicht mit mir. Sie bleibt lebendig. In ihrer eigenen Zwischenwelt. Und genießt uns beide als eine weitere Option der Nacht. Ohne Wirklichkeit, manchmal aber sehr, sehr wirklich. Doch niemand spürt die Schwere des Konjunktivs. Obschon wir alle darauf rumreiten. Stets und erneut.
»Entschuldige die Frage. Ich ziehe sie zurück. Anders vielleicht. Willst du auf meinen Füßen kommen, bevor Mommy dich gleich abholt?« Marie schaut mich an, als sei ich ein süßer Multipoo-Welpe, der nicht vom Tisch aus der Hand von Frauchen essen darf. »Wir müssen es ihr ja auch nicht sagen. Es bleibt unser Geheimnis.« Maries Sadismus ist anders als der von Claire. Sie kommt unschuldig daher. Und entfaltet mit weicher Stimme die gemeinste Wirkung. »Er hat mich nicht befriedigt. Kannst du das besser? Komm ich schließe dich auf und wir ficken, Gilbert!« Ich wünschte, jetzt fiele mir der Zahnarzt ein. Oder irgendeine andere Ablenkung. Doch ich bin verloren. Und mittendrin. Im Club waren sie nicht lange alleine. Ich schon. Es gab keine Regeln für diesen Abend. Nur die Gewissheit, dass ich zum Cucksitting in Maries Wohnung landen würde. Claires Drang zur wilden Tat, vor aller Augen ein Hotwife sein, führte zur schnellen Befriedigung des einen, kaum versteckt auf der Tanzfläche, wüstem „Auf der Herrentoilette verschwinden“-Klischee mit zwei anderen und einem für die Nacht auserkorenen Boyfriend, dessen schüchterne Schönheit so vertrauenswürdig erschien, dass sie mit zu ihm nach Hause verschwand. Auch Marie nahm jemanden mit. Brav war sie nur im Club. Schamlos später in ihrem Bett. Vor meinen Augen.
Er ist nun weg. Ich bin es nicht. Mit mir spielt sie weiter. Der Magic Wand entfaltet seine süße Kraft. Sie redet dabei auf mich ein. Quält mich. Sagt, was ich doch sicher jetzt mit ihr anstellen wollte, wäre ich kein Cuck. Spricht aus, was Claire ihr anvertraut. Spekuliert, wie sich mein Schwanz wohl anfühlen möge. Kommt immer wieder. Besonder heftig, als sie sich vorstellt, Claire säße gefesselt auf meinem Stuhl, und sie, Marie, auf mir. Sie brüllt ihre Lust heraus, schreit
mich an: »Komm jetzt endlich her und fick mich!« Aber weder bindet sie mich los, noch schließt sie mich auf, schon gar nicht unterbricht sie ihr multiples Vergnügen, das ihr Toy so meisterhaft zu bescheren versteht. Ohne schlapp
zu machen, wie sie mehrmals betont. Irgendwann verschwindet sie im Bad. Erlöst. Sehr zufrieden. Später küsst sie mir auf die Stirn, reicht mir eine Bettdecke, löscht das Licht und verschwindet mit ihrer Decke ins Wohnzimmer.
Am Morgen entdecke ich mich selbst in Maries Bett. Zusammengekauert wie ein Embryo. Alleine. Die Decke ist weg. Von unten höre ich stimmen. Claire und Marie. Ich prüfe, ob der neue Tag etwas ändert. Auch, ob nur das Erlebte an mir klebt.
Spielerisches Nicht-Spiel
Sie sitzt auf mir. Ihre Bewegungen langsam. Meine Hände hinter meinem Kopf. Ungefesselt dorthin befohlen. Ihre Lust ist rau. Mein drängender Impuls: zu übernehmen. Ihre Schulter zu packen, sie von oben auf mich zu ziehen. Von unten zu steuern. Ihr Lächeln wird begleitet von einem kurzen »Nein.« Kopfschütteln als Bestätigung. Sie weiß, was ich will. Doch die Herrin bestimmt das Geschehen, der Toyboy schweigt, hört zu. Zur Geilheit getrieben, zur Konzentration verdammt. »Hältst du durch? Oder kommst du gleich?« Die Klammer ihres Beckens, Varianz des Tempos, jetzt fickt sie mich rasanter, wild fast, gierig, hart. Meine Hände lösen sich, ich ziehe sie tatsächlich runter, stoße fest, halte sie, packe sie; sehe, wie sie sich in dem Moment nach hinten beugt, als ich loslasse, beaobachte, wie ihr langes Haar fällt, wie unsere Bewegungen sich synchronisieren. Es wird schneller, ich schließe die Augen, bis mich ihre Ohrfeige zurückholt. Sie wieder verlangsamt, strenger Blick. »Darfst du das?« Ich stöhne. »Wehe, du kommst!« Ich bin so weit. Sie weiß es. »Hände hinter den Kopf. Das ist keine Übung, Baby. Du nicht! Du gehörst in Handschellen. Fühl es! Immer wieder. Spür es. Wie wir es auf dir treiben. Wie er in mir kommt. Über deinem Cage. Sieh mir in die Augen. Siehst du, wie ich dich nicht mehr sehe?« Sie spricht sich in Rage, tobt, reitet, immer weiter, ganz bei sich selbst. »Dein schöner Schwanz gehört mir. Aber was soll ich tun, wenn er nicht da ist?« Ihr Haar jetzt auf meinem Gesicht, ihr schönes Lächeln, ihre auf mir gelebten Fantasien. Sie wechselt die Szenen., bleibt beim Thema, steigert sich rein. »Es ist deine Schuld. Ich will Schwänze. Ich muss üben. Damit wir ihn zufriedenstellen. Ich muss gut sein. Du kommst mir zu schnell.« Ich weiß nicht mehr, wen oder was sie im Sinn hat, weiß nur, sie will in mein Hirn. »Vielleicht lässt er dich ja kommen. Später. Zwischen meinen Heels und meinem Fuß.« Ich atme wie von Sinnen. Sie nimmt sich, was ich geben kann. »Auf der Clubtoilette. In seinem Audi. Am Strand. Alle Augen auf uns. Alle Augen auf dich.« Ich komme heftig. Sie kommt zur Ruhe. Nach meinem Schrei ihre sanfte Stimme: »Siehst du, du willst es. Es ist deine Schuld.« Wir liegen noch lange umschlungen. Unsere Lippen treffen sich zärtlich. Immer wieder. Wir sahen es in schillernden Farben. In dieser dunklen Nacht.
Vignette 7
Bevor der Regen das hohe Gras erreicht, fallen wir zusammen. Stürzen durch den Sturm. Hinab ins Leben. Meine Hand in deinem Haar, deine an meinem Hals. Was soll uns schon passieren? Dir und mir.
Sanftes Schwert, süßer Schmerz
»Erkenne es einfach an. Es gibt sie. Du bist es nicht. Sie gehen den einen Schritt mühelos weiter, wenn du noch im vorsichtigen Flirt verharrst. Mehr als die Hälfte davon ist sehr plump, absolut. Aber auch deren Härte bringt mich zum Schreien, während du noch das Essen vorbereitest. Sie sind geschaffen, um meine animalischen Instinkte zu befriedigen. Sie machen mich sofort geil. Archetypisches Erobern. Du bist der souveränste Mensch der Welt, aber hier hast du keine Chance. Das war dir schon immer peinlich, ich kann das fühlen. Wie sie es alle konnten, von denen du jemals geschwärmt hast, aber sich in den heißesten Momenten doch für den anderen entschieden haben. Alles ganz natürlich. Nur sie haben die heißeren Geschichten zu erzählen. Später. Denn während du noch den Turnbeutel vergessen hast, standen sie schon in der Mädchenumkleide und zogen ihr T-Shirt aus. Armes Baby. Dein wunderschöner Schwanz? Um zu wissen, dass du einen hast, braucht es diese endlosen Beta-Trippelschritte. Und selbst dann machen wir dich alle zum Cuckold. Du bist der, der zusieht. Du erlebst, wie sie sich das nehmen, was dir gehört. Das ist deine Bestimmung. War sie schon immer. Jetzt, da du mir gehörst, ist sie es erst recht. Du bist alles, was sich eine Göttin wünschen kann. Ich tanze auf deiner Urangst herum, denn sie ist gleichzeitig die Bühne für deine unendliche Lust. Ich werde nicht aus Höflichkeit oder wegen der guten alten Konventionen ‚Nein‘ sagen, wenn ich die Gelegenheit habe. Gelegenheit? So schließt sich der Kreis. Alphas schaffen Gelegenheiten. Besonders gerne jagen sie fremden Besitz. Und erlegen ihre Beute auf Damentoilletten in feinen Hotels, in ihren Autos, in versteckten Ecken auf Gartenpartys, überall dort, wo du nicht bist, weil du noch charmant und geistreich über das Leben redest… Oh, diese süßen Tränen… schhh… ist doch gut, Baby Boy! Komm an Mommys Brust. Es tut mir so leid. Nicht. Ich wollte in dein Hirn. Ja, brav! Beruhige dich an meiner weichen Wärme. Wir haben noch Zeit. Die Bar öffnet erst um 22 Uhr.«
Vignette 6
Manchmal wachen wir in einem veränderten Leben auf, ohne auch nur eine Minute geschlafen zu haben.
Perspektiven
Mein morgendlicher Blick in den Garten. Vor mir herbstliches Laub auf Bangkirai. Ein Schwarm Wildgänse kehrt irgendwohin zurück, entdeckt etwas Neues, erweckt in mir die Sehnsucht, einfach mitzufliegen. Hinter mir klingelt es an der Tür. Ich bin erleichtert über meinen Bademantel. Denn man kann mich sehen. Die Haustür ist aus massivem Holz und hat große Glasstreifen, die einem erlauben, hinein- und hinauszuschauen. Eigentlich wollte ich mir nur einen Kaffee machen, wieder hochgehen, hätte in Cage und Nylonsöckchen sein sollen, aber mir war zu kalt. Mir wird plötzlich heiß. Die Söckchen! Aber es hilft nichts, es klingelt erneut. Ich drehe mich um, prüfe, ob der Frottee-Stoff meinen Körper ausreichend verdeckt und übe einen selbstverständlichen Gang, immer in der Annahme, die ganze Zeit gesehen zu werden. »Guten Morgen! Ich bin Marc. Du hast erstaunlich viel an, Cucki.« Die Erregung der unerwarteten Erniedrigung bleibt mir jedes Mal ein Rätsel. Ich muss mich festhalten. Es ist, als schössen alle Gefühle der Welt auf einmal durch meinen Körper. »Hier sind gefüllte Croissants.« Er hält mir die Tüte vor das Gesicht, lächelt entspannt. »Entschuldige, ich habe Vorsprung. Darf ich reinkommen? Ja, natürlich darf ich. Also, ich weiß, du hattest Handyverbot. Sei doch so lieb, hol es mal, dein kleines Gerät. Oder geh einfach dahin, wo es ist. Jedenfalls: Lies Annes Nachricht! Dann wird das hier ein wenig … nun, selbstverständlicher.« Es liegt im Arbeitszimmer, ich entferne mich zügig, erhoffe mir dadurch, dass ich mich kurz entziehen kann, Souveränität zurück. Aber meine Hände zittern, meine Feinmotorik leidet unter zu viel Adrenalin. Was ich ohne Zweifel lesen kann, nach einem kurzen Moment des Sammelns: »Alles so, wie es sein soll. Marc ging mir durch Mark und Bein. Baby Boy, was er dir sagt, ist wahr. Was er sich wünscht, erfüllst du. Er hat freie Hand.« Ich lege das Handy zur Seite und kehre vorsichtig zu ihm an die Tür zurück. Dort steht er nicht mehr, er ist bereits in der Küche, packt die Croissants aus, verhält sich wie der Hausherr. Er schiebt einen Schlüssel über die Arbeitsplatte, ich erkenne ihn sofort. »Zieh den Bademantel aus, schließ dich auf. Dann kletterst du auf deinen eigenen Küchentisch. Ich will, dass du hart bist, kniest. Stell dir vor, an der großen Tafel sitzen um dich herum deine Freunde. Alle erleben dieses Schauspiel mit. Deine süßen Söckchen, der kleine Wichser wichst. Im eigenen Hause ausgestellt. Vom Lover deiner Göttin vorgeführt. Los, ab auf den Tisch!« Ich starre ihn an. Bin eingefroren, stehe, schwitze, mir ist kalt, schlecht, schwindelig. Er behält sein Lächeln, blickt mich an. Ein langer Moment. Seine Ruhe macht mich nur noch nervöser. Dann greift er selbst zum Schlüssel. Und kommt langsam auf mich zu. Jede seiner Bewegungen scheint zu fließen, ist von souveräner Eleganz. Im ersten Augenblick löst er die Schlaufe meines Bademantels, streift ihn mir ab, wirft ihn zur Seite, im nächsten kniet er vor mir – ich sehe seinen feinen Körper unmittelbar, die schönen Hände, das volle Haar -; er schließt mich auf, erhebt sich mit dem Cage, tritt zurück, bleibt nah, schaut mir direkt in die Augen, schweigt, nickt, wirft den Cage zur Seite, seine Hände fallen sanft auf meine Schultern. »Oder vielleicht sollte mir einfach einen Kochlöffel schnappen, dich übers Knie legen, dir ganz ausführlich erzählen, wie wir das Wochenende ohne dich verbracht haben. Für jeden unserer Orgasmen saust das harte Holz auf deinen süßen Arsch. Deine Mommy ist sehr oft gekommen, Boy.« Ich schaue zu Boden, kann seinem Blick nicht mehr standhalten. Marc streichelt fast zärtlich über meine Schulter. »Okay, das reicht schon. Ich danke dir, Cucki. Es ist mir eine Ehre. Und jetzt lass ich dich mal in Ruhe frühstücken. Eins ist mit Pistazie, das andere mit Konfitüre. Denk an mich, wenn du die klebrige Füllung in deinem Mund hast. Croissants! Was für eine brillante Idee.« Er entfernt sich ruhig, ich höre, wie sich die Haustür hinter mir schließt. Und sehe den nächsten Schwarm Wildgänse. Vor mir. Über dem Garten. In einer anderen Welt.
Entwicklungsstufen
Ich stehe mit dem Rücken zum Geschehen. Und bin nicht der einzige, der mitbekommt, was geschieht. Freundliches Gespräch an der Tür, nachbarschaftlicher Austausch über den nächsten Termin für gemeinsame Gartenpflege. Man erlaubte mir einen Bademantel. Ich stehe bewegungslos. Es ist mein Versuch, das Klackern des Schlosses auf dem Edelstahlcage nicht durch Regung zu provozieren. Die rosa lackierten Fußnägel drehe ich nach innen, sehe verkrampft aus, auch, weil ich es bin. Schiere Angst, den Plug zu verlieren, treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Die nur mit äußerster Höflichkeit zu überhörenden Geräusche hinter mir fügen ein tiefes Rot hinzu, malen mir Panik und Scham ins Gesicht. Sie stammen immerhin aus dem Gästebad, der Herr war so höflich, mich in mehrfacher Hinsicht nur indirekt zu entblößen. Mein Nachbar zieht das Gespräch in die Länge. Ich sehe, dass er den Sex hören kann. Ich merke, dass er nicht sicher ist, wer genau dort genommen wird. Aus einem harmlosen Geplänkel wird ein kleines Fest der voyeuristischen Neugierde. Ein »Und jetzt ohne Hände!« zerreißt unseren Gesprächsfaden endgültig. Schmatzendes Gurgeln, das kaum typischer Klingen könnte. Es wäre auch ohne meinen Besuch an der Tür erniedrigend für mich, es mitzuerleben. Ich beende das Gespräch abrupt, schließe die Tür, versuche mir einzureden, dass es jetzt nur noch drei Menschen sind, die es betrifft; beginne zu zittern, sinke zu Boden. Er kommt laut, sie wird leise. Jedes Pumpen, jeden Schwall kann ich erkennen, ohne zuzusehen. Bei »Oh, wie brav. Good girl.« zerreißt es mich. Auch sein wortloser Blick, als er zunächst alleine aus dem Bad kommt: ein Peitschenhieb. Ich verstehe, jetzt ohne zu hören: »Du hast keine Chance. Das war erst der Anfang. Wir werden dich ins Schaufenster stellen. Noch oft.«
Am Morgen
Kaffee verhüllt seine Wirkung, duftet nach Erinnerung. Dein langes Haar auf seiner Brust. Ich kann hören, wie es fällt. Hier unten mein Frühstück, Kerzenidyll. »Mach es dir schön, wir schlafen aus.« Hinter dem Fenster tanzende Bäume. Draußen das Wetter, drinnen unsere Natur. Soll ich gehen, werde ich bleiben? Ihr unter Decken. Mein Herz geht auf und stolpert. Alles unter einem Dach.
Design.Stück, echtes
Sie schiebt ein Bein über die Armlehne. Ich sehe sie von unten durch das Rohrgeflecht. Anne sitzt auf einem Cesca Chair. Marcel Breuer. Bauhaus. Ein Klassiker. Unser Gastgeber kennt sich aus. Nicht nur mit Design. Ihre Halterlosen: Maison Close.
Wir starteten den Tag und kauften Wäsche. Er sagte: »Sei dabei. Vorher. Und hinterher.« Sie hat einen feinen Sinn für charmante Verführer. Besonders für solche, die auch unser Spiel verstehen. Nach dem Dinner führte er sie ins Schlafzimmer, sie legte ab, er kam zurück zu mir. Sein flirtender Ton erhielt eine andere Farbe, als wir auf sie warteten, ich unsicher vor ihm stand. »Zieh dich aus! Ich will dich nackt sehen. Du bist ein Sklave, es darf dir ruhig peinlich sein.«
Jetzt liege ich in schweren Edelstahlketten. Auf mir ihr bestrumpfter Fuß, über mir die Göttin auf ihrem Thron. Sie lässt mich den edlen Stoff fühlen, teased mich langsam, spricht mit ihm unverholen über das, was sie sich nun wünscht. Ich bekomme nicht mit, wo er plötzlich herkommt, nur dass er jetzt sichtbar hart über mir steht. Eine ganze Weile genoss er im Hintergrund, dann packt er mich, schiebt mich unter den Stuhl.
Es ist wild, rough, beinahe animalisch. Wir alle landen an der Küchenwand. Sie kommt mehrfach, er nach einem kraftvollen Finale. Alles läuft und rinnt durchs edle Möbel auf mich hinab. Markierter, ebenso erschöpfter Cuckold. Er gibt ihr eine Hand, sie lassen mich vorerst zurück.









